Die erektile Dysfunktion therapieren

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Kaum ein medizinisches Thema ist in unserer Gesellschaft stärker mit einem Tabu belegt als die erektile Dysfunktion, im Volksmund auch unter Impotenz bekannt. Es existiert ein Männerbild, das von Standfestigkeit und Leistungsbereitschaft geprägt ist. Vor allem im sexuellen Bereich muss Mann diese Fähigkeiten jederzeit unter Beweis stellen können. Ist dies nicht der Fall, droht eine Identitätskrise, da er sich nicht mehr als vollwertiger Mann fühlt. Dass jemand von den Erektionsproblemen erfahren könnte, ist ein Albtraum für viele Betroffene, also beginnen sie sich zu verschließen und sich selbst von nahestehenden Menschen wie ihren Partnerinnen zurückzuziehen, was oft eine schwere Probe für die Beziehung darstellt.

 

Hohe Dunkelziffer

 

Aus diesem Grund weigern sich auch viele betroffene Männer, mit ihren Problemen zu einem Arzt zu gehen. Daher ist nicht genau bekannt, wie viele von einer erektilen Dysfunktion Betroffene es in Deutschland wirklich gibt, die Dunkelziffer ist hoch. Zumal das Internet mit den zahlreichen Online-Apotheken die Möglichkeit bietet, sich anonym Medikamente zur Selbsttherapie zu kaufen. Experten schätzen, dass in Deutschland drei bis fünf Millionen Männer an Erektionsproblemen leiden. Die Scham der Männer ist verständlich, doch es wäre ratsamer für sie, einen Arzt aufzusuchen, da die Erektionsprobleme zumeist nur Anzeichen für tiefer liegende Ursachen sind. Zudem sind die Medizin und die Pharmaindustrie weit Fortgeschritten in den Therapiemöglichkeiten für erektile Dysfunktionen, die Chancen auf eine Heilung sind so hoch wie nie.

 

Auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Therapien

 

Die Therapiemethoden für erektile Dysfunktionen sind so vielfältig wie die Ursachen, die die Erektionsprobleme haben. Besonders im fortgeschrittenen Alter sind körperliche Probleme die Auslöser. Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, Arteriosklerose, eine vergrößerte Prostata oder Fettstoffwechselstörungen sorgen dafür, dass im Bett „nichts mehr geht“. Bei jüngeren Männern, die unter einer erektilen Dysfunktion leiden, ist die Ursache zumeist in der Psyche zu finden. Sie leiden häufig unter Stress oder Depressionen, was die Erektion verhindert. In den meisten Fällen ist jedoch die Kombination mehrerer dieser Faktoren der Auslöser für die erektile Dysfunktion. Je nach Ursache und Verfassung des Patienten wird die Therapie auf diesen zugeschnitten.

 

Diagnose nach neuer S1-Richtlinie

 

Für die Diagnose und die Behandlung für die erektile Dysfunktion wurde erst 2012 eine neue S1-Leitlinie geschaffen. Zunächst wird bei der Diagnose untersucht, ob eventuell psychische Probleme die Ursache für die Erektionsprobleme sind. Mittels Fragebögen wird das Sexualleben des Patienten unter die Lupe genommen. Idealerweise ist bei dieser Untersuchung auch die Partnerin dabei, damit sich der Hausarzt ein umfassendes Bild machen kann. Danach folgen in der Regel fragen nach eventuellen Operationen und eine Untersuchung der körperlichen Verfassung des betroffenen Mannes. Schwerpunkte liegen hierbei auf der Untersuchung des Herz-Kreislauf-Systems sowie der Prostata. Zuletzt wird der Testosteronspiegel gemessen. Testosteronmangel ist jedoch sehr selten der Grund für eine erektile Dysfunktion. Wird in der Untersuchung nichts gefunden, können weitere Tests erfolgen, etwa eine Untersuchung des Nervengewebes. Auch eine Untersuchung in einem Schlaflabor kann angeordnet werden. Zeigt der Penis hierbei nächtliche Aktivitäten, kann eine körperliche Ursache in der Regel ausgeschlossen werden, da ein psychisches Problem im Wachzustand die Erektion verhindert.

 

Therapie der psychischen und körperlichen Ursachen

 

Bei psychischen Ursachen können unterschiedliche Therapiemethoden greifen. Stellt sich heraus, dass der betroffene Mann aufgrund von Stress in der Beziehung unter seinen Erektionsproblemen leidet, hilft oft schon ein klärendes Gespräch zwischen den beiden Partnern. Auch eine professionelle Paar- oder Sexualberatung hilft in diesem Fall. Stellen sich gravierendere Ursachen wie Depressionen oder verdrängte Missbrauchsfälle in der Vergangenheit für die erektile Dysfunktion heraus, ist der Gang zu einem Psychotherapeuten angeraten. Ein weiteres Phänomen, das dank der Angebote des Informationszeitalters zwar recht neu ist, dafür aber rasant wachsende Fallzahlen verzeichnet, ist die erektile Dysfunktion, die durch exzessiven Konsum von Pornographie verursacht wird. Je nach Schweregrad ist auch hier eine Sexualberatung oder der Gang zu einem Psychotherapeuten angeraten. Bei körperlichen Ursachen greift der Arzt zumeist je nach Erkrankung zu einer medikamentösen Behandlung, ein eventueller Testosteronmangel wird je nach Schweregrad mit einem aufzutragenden Gel oder einer Injizierung des Hormons ausgeglichen.

 

SKAT, MUSE und Vakuumtherapie

 

Darüber hinaus kann zu therapieunterstützenden Möglichkeiten gegriffen werden. Eine einfache Methode, die – bei richtiger Anwendung – keine Nebenwirkungen hat, ist die Vakuumtherapie. Hier wird ein Plastikzylinder über den Penis gestülpt und ein Unterdruck erzeugt, der das Blut in die Schwellkörper pumpen soll. Wird diese Möglichkeit vom Arzt verordnet, übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Die SKAT-Therapie kommt bei Nervenschäden zum Einsatz oder wenn Potenzmittel nicht eingenommen werden dürfen. Hierbei wird ein Medikament in den Schwellkörper des Penis injiziert, das dafür sorgt, dass mehr Blut in diesen gelangt. Auch hierfür zahlt die Krankenkasse in der Regel. Bei der MUSE-Therapie wird ein kleines Zäpfchen über die Harnröhre in den Penis eingeführt. Über die Harnröhrenwand erreicht der Wirkstoff des Medikamentes die Schwellkörper des Gliedes und sorgt für einen verstärkten Blutfluss, wodurch eine Erektion entsteht.

 

Orale Therapie der erektilen Dysfunktion

 

In den vergangenen Jahren hat sich eine weitere erfolgversprechende Möglichkeit der Therapie erektiler Dysfunktionen etabliert. 1998 brachte das Pharmaunternehmen Pfizer das Medikament Viagra auf den Markt und sorgte damit für einen regelrechten Einschnitt in der Geschichte der Potenzmittel. Der Wirkstoff Sildenafil, ein PDE-5-Hemmer, erwies sich als äußerst wirkungsvoll bei der Behandlung von Erektionsschwierigkeiten, sehr viel wirkungsvoller als die bis dahin üblichen Präparate aus der Pflanzen- und Tierwelt. Mittlerweile sind neben Viagra mit Cialis, Levitra und Spedra vier Medikamente auf dem Markt, die PDE-5-Hemmer als Wirkstoff beinhalten. Hinzu kommen zahlreiche Generika dieser Präparate. Alle PDE-5-Hemmer wirken ähnlich. Der Wirkstoff blockiert die Bildung eines Enzyms, das wiederum die Bildung von Botenstoffen verhindert, die wichtig für eine Erektion sind. Diese Botenstoffe sorgen für die Erweiterung der Blutgefäße im Penis, wodurch dieser stärker durchblutet wird und sich die Schwellkörper schneller mit Blut füllen. Diese Methode ist wohl als die angenehmste Möglichkeit für die von einer erektilen Dysfunktion geplagten Männerwelt zu bezeichnen, da keine Spritzen oder Zäpfchen zum Einsatz kommen. Ein weiterer großer Vorteil ist die hohe Wirkungsrate und lange Wirkdauer der einzelnen PDE-5-Hemmer, was diese Medikamente überaus beliebt macht. In Deutschland, Österreich und in der Schweiz sind diese Medikamente rezeptpflichtig, doch mittlerweile sind Medikamente und deren Generika mit diesem Wirkstoff und deren Generika rezeptfrei in Online-Apotheken erhältlich. Allerdings wird angeraten, dennoch vor der Einnahme einen Arzt aufzusuchen, so schwer es auch fällt. Nicht nur dass dieser kompetenter eine optimale Dosierung festlegen kann als Mann es erst durch Selbstversuche erreicht, diese Medikamente sind auch für bestimmte Risikogruppen nicht geeignet. Vor allem Menschen mit Leberschäden und Erkrankungen im Herz-Kreislauf-System sollten besser auf die Medikamente verzichten. Zudem sind Viagra und Co. Medikamente, die auch Nebenwirkungen aufweisen können. Auch die gleichzeitige Einnahme von PDE-5-Hemmern und weiteren Medikamenten muss mit dem Arzt abgesprochen werden, da es in der Zusammenwirkung mit bestimmten Substanzen zu Wechselwirkungen und Kontraindikationen kommen kann.

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