Erektile Dysfunktion durch Pornokonsum

images

Die erektile Dysfunktion bei Männern ist so alt wie die Menschheit selbst. In den meisten Fällen tritt dieses Phänomen im Alter auf und häufig sind körperliche Ursachen wie Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Prostata oder Fettstoffwechselstörungen die Auslöser für die Erektionsstörung. Im Laufe der Zeit ist die Anzahl der körperlichen Ursachen angestiegen, auch moderne Zivilisationskrankheiten können der Grund für eine erektile Dysfunktion sein. Allerdings waren die Auslöser der Erektionsprobleme von jeher nicht nur physisch, auch geistige Faktoren können die sexuelle Leistungsfähigkeit beeinträchtigen, darunter Depressionen, viel Stress oder Versagensängste. Besonders bei jungen Männern sind psychische Faktoren die Ursache für die Erektionsstörungen. Und auch hier ist die Anzahl der möglichen Auslöser angestiegen.

 

Psychische Ursachen der Erektionsstörungen

 

Viele Männer wurden in ihrer Jugend mit dem Problem konfrontiert, dass sie, so sehr sie es auch wollten, bei den ersten Sexerlebnissen keine Erektion aufbauen oder länger halten konnten. Und gerade in diesem „Unbedingt wollen“ lag auch die Ursache darin, warum „nichts ging“. Nicht wenige unerfahrene junge Männer setzen sich unter Druck, weil ihre Identität durch das Bild eines stetig leistungsbereiten Mannes geprägt wurde. Gerade was den Geschlechtsverkehr angeht. Diesem Bild wollen die mitten in ihrer Identitätsfindung steckenden Burschen auch gerecht werden. Hinzu kommt eine große Erwartungshaltung an das bevorstehende Ereignis, das in prahlerischen Gesprächen mit Freunden, die bereits Sex hatten oder dies zumindest vorgeben, geschürt wurde. Natürlich verursachen diese Faktoren einen enormen Druck, dessen Resultat ist, dass bei den ersten Malen nur schwer eine Erektion aufgebaut werden kann. Bei vielen jungen Männern legt sich dies nach einigen Erfolgserlebnissen wieder, sie werden selbstbewusster. Bei wenigen führt dies zu einer Spirale, da sich bei ihnen eine Versagensangst manifestiert, die von Mal zu Mal wächst. Hier hilft der Gang zu einer Sexualberatung oder einem Therapeuten.

 

Die verlockenden Angebote der postmodernen Informationsgesellschaft

 

Man sollte meinen, dass dies schon genug Bürde für einen jungen Mann sei. Doch auch bei den psychischen Ursachen der erektilen Dysfunktion sind in den letzten Jahrzehnten einige hinzugekommen. Seit einigen Jahren beobachten Sexualtherapeuten ein Phänomen, das sie vor allem auf die verführerischen Angebote des Informationszeitalters zurückführen. Die neuen Medien bieten unzählige Angebote zu pornographischen Inhalten, die Bilder, Filme und Schriften für jede nur denkbare und undenkbare sexuelle Spielart bereithalten. Und sie sind immer nur wenige Klicks entfernt und für jeden, der sie sehen möchte, schnell, einfach und oftmals kostenlos zu erreichen. Dies stellt vor allem für Heranwachsende und Pubertierende eine gefährliche Falle dar. Sie suchen entsprechende Webangebote zunächst oftmals auf, weil diese den Reiz des Verbotenen bergen. Hinzu kommt der Gruppendruck der Clique, diese Inhalte zu konsumieren. Die Folgen sind seit einigen Jahren auch in Internetforen zu finden, in denen Hilfesuchende davon berichten, die angebotenen pornographischen Inhalte bereits in jungen Jahren genutzt zu haben, ohne sie richtig einordnen zu können. Dabei habe sich in der Pubertät nicht nur eine regelrechte Sucht entwickelt, zu diesen Inhalten zu masturbieren. Viele berichten auch davon, keine Erektion beim Geschlechtsverkehr mehr aufbauen oder halten zu können. Verständlich, denn die im Internet angebotenen und gern aufgesuchten pornographischen Inhalte – vor allem die sogenannten Hardcorepornos –  vermitteln zumeist ein vollkommen falsches Bild von Sexualität und bauen eine Erwartungshaltung auf, die die Partnerin nicht befriedigen kann, unter anderem auch, weil sie die sexuellen Praktiken, die sich im Kopf des jungen Mannes durch die Pornos verfestigt haben, nicht mitmachen möchte.

Ein Therapeut kann helfen, wird jedoch erst spät aufgesucht

Der junge Mann fühlt sich zurückgewiesen, kapselt sich zunehmend von seiner Partnerin ab und sucht stattdessen noch häufiger pornographische Webseiten im Internet zur Selbstbefriedigung auf. Denn diese weisen ihn nicht zurück und geben ihm alles, was er will, schnell und einfach, ohne auf ein Gegenüber einzugehen oder Rücksicht auf dessen Gefühle nehmen zu müssen. Auch ältere Männer fallen auf diesen „Honeypot“ der schnellen und vermeintlichen Befriedigung herein. Auch bei ihnen reichen irgendwann keine Abbildungen von Paaren beim Blümchensex mehr aus, härtere Inhalte müssen her, um die Lust des Mannes zu befriedigen. Irgendwann kapituliert die Libido des Betroffenen jedoch unter der Reizüberflutung, der Anblick einer nackten Frau oder normaler Geschlechtsverkehr reichen nicht mehr aus, um eine Erektion aufzubauen oder zu halten. Studien belegen das Phänomen der erektilen Dysfunktion durch Pornosucht. Doch wie viele Männer genau davon betroffen sind, ist unbekannt. Die Dunkelziffer ist sehr hoch, da sich viele betroffene Männer scheuen, einen Therapeuten aufzusuchen und ihre Gier nach pornographischen Inhalten behandeln zu lassen. Erst, wenn der Leidensdruck zu hoch ist, entweder, wenn die Männer beim Pornokonsum auf Arbeit erwischt wurden oder sie von ihrer Partnerin vor die Wahl gestellt werden, ob entweder die Pornos gehen oder sie, suchen sich die Betroffenen Hilfe. Die Sexualberatungsstellen bieten in der Regel erste Anlaufstellen. In nicht wenigen Fällen ist jedoch eine Therapie unausweichlich, der Pornosüchtige kommt allein aus seiner Situation, nur durch Vermeidung pornographischer Inhalte, nicht hinaus, da in vielen Fällen weitere Faktoren das Problem begünstigen. Mit einem fähigen Sexualtherapeuten ist die Situation jedoch gut behandelbar, mittlerweile übernehmen die Krankenkassen dafür auch bei minder schweren Fällen – wenn der Leidensdruck groß genug ist – die Behandlung, so dass bald wieder ein erfüllendes Sexualleben mit der Partnerin und eine erhöhte Lebensqualität genossen werden können.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *