Was ist eine erektile Dysfunktion und welche Strategien zur Bekämpfung stehen zur Verfügung?

1603389-ejaculation-precoce-frequente-mais-toujours-tabou

Für die Phasen im Leben, in denen im Bett nichts mehr geht, existieren viele Begriffe und Bezeichnungen. Am weitesten verbreitet ist wohl der Begriff ‚Impotenz‘, etwas neutraler ist die Bezeichnung ‚Erektionsstörung‘. Medizinisch hat sich der Terminus ‚erektile Dysfunktion‘ durchgesetzt. Doch egal, welche Bezeichnung benutzt wird, jede lässt Mann schaudern, da das Thema immer noch mit einem undurchdringlichen Tabu belegt ist.

 

Weit verbreitetes Phänomen

 

Die meisten Männer, besonders jüngere, ungefestigte, empfinden die Phasen, in denen es ihnen nicht möglich ist, eine Erektion aufzubauen oder zu halten, als einen Angriff auf ihre Person. Das Männerbild ist im Westen ebenso wie in anderen Kulturen von ständiger Leistungsbereitschaft und Leistungswillen geprägt, vor allem im sexuellen Bereich. Die meisten Männer, die unter Erektionsstörungen leiden, fühlen sich demnach oftmals in ihrer Identität bedroht. Aus diesem Grund wollen sie auch nicht, dass ihr Problem bekannt wird, um nicht auch noch von anderem Menschen als „halber Mann“ wahrgenommen zu werden. Die Betroffenen ziehen sich zurück. Dabei sind sie keineswegs allein und der Schritt nach außen wäre der erste auf dem Weg zur Besserung. Denn das Problem ist weit verbreitet und die Ursachen gut erforscht.

Eine hohe Dunkelziffer

 

Die Medizin definiert eine erektile Dysfunktion mit einer mindestens sechs Monate andauernden Phase, in der Mann in mindestens 70 Prozent der Fälle des versuchten Geschlechtsverkehrs keine oder eine nur unzureichende Erektion aufbauen konnte beziehungsweise wenn der Mann nicht in der Lage war, die Erektion intravaginal über einen längeren Zeitraum zu halten. Leider existieren keine genauen Daten zur Anzahl der Männer, die an einer erektilen Dysfunktion leiden, da die Dunkelziffer aufgrund des Tabus, mit der das Thema belegt ist, sehr hoch ist. Studien schätzen die Anzahl von an einer Erektionsstörung leidenden Männern in Deutschland auf drei bis fünf Millionen. Besonders ältere Männer leiden häufig an einer erektilen Dysfunktion. In der Altersgruppe der 65-Jährigen hat jeder vierte bis fünfte Mann eine Erektionsstörung.

 

Organische und psychische Ursachen

 

Die Ursachen sind vielfältig. Die Hauptursachen für eine erektile Dysfunktion sind organischer Natur und treten vor allem bei älteren Männern jenseits der 40 Jahre auf. Besonders häufig sorgen Diabetes und Bluthochdruck dafür, dass „nichts mehr geht“, seltener Testosteronmangel. Doch auch die Vergrößerung der Prostata, Herzinsuffizienz, Arteriosklerose und Fettstoffwechselstörungen sind als Ursache für Erektionsprobleme zu nennen. Operative Eingriffe oder Verletzungen der Genitalien oder des Beckens können bei jungen wie alten Männern der Grund für erektile Dysfunktionen sein. In 30 Prozent der Fälle treten psychische Faktoren wie Stress auf der Arbeit oder in der Beziehung, Depressionen, Zukunfts- oder Versagensängste als Ursache auf. Diese Faktoren sind zumeist bei jüngeren Männern zu finden. Seltener, in knapp 20 Prozent der Fälle werden erektile Dysfunktionen durch Mischformen organischer und psychischer Faktoren verursacht.

 

Erfolgreiche Therapiemöglichkeiten

 

Bevor die Therapie der erektilen Dysfunktion gestartet werden kann, müssen die Grundlagen zunächst aufgespürt werden, da die Strategien zur Behebung des Erektionsproblems je nach Auslöser verschieden ist und auf den Patienten angepasst werden müssen. Getestet werden die Sexualanamnese, die allgemeine körperliche Verfassung, der Hormonspiegel und Organe wie Leber und Nieren. Auch ein sogenannter Viagra-Test ist Bestandteil der Untersuchung. Zur Therapie der erektilen Dysfunktion an sich stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Zu den älteren oral wirkenden Mitteln zählen das Yohimbin und das Apomorphin. Diese Arzneimittel sind allerdings vergleichsweise schwach wirksam. Darüber hinaus steht die Behandlung mit einer Vakuumpumpe sowie die sogenannte M.U.S.E., das medikamentöse urethale System der Erektionshilfe, zur Verfügung. In diesem Fall wird ein Zäpfchen mit einem Wirkstoff in die Harnröhre eingeführt. Die erfolgversprechendste Möglichkeit zur Behandlung von Erektionsschwierigkeiten ist allerdings die Schwellkörper-Autoinjektionstherapie. Hierbei spritzt sich der Mann selbst ein Medikament in die Schwellkörper des Penis, das dazu führt, dass mehr Blut in den das Glied gelangt, wodurch eine Erektion ermöglicht wird. Diese Therapie hilft in 70 bis 90 Prozent der Fälle.

 

Zuverlässige Hilfe mit PDE-5-Hemmern

 

Allerdings gibt es auch Männer, die keine Nadeln sehen oder diese gar bei sich selbst anwenden möchten. Für diese Männer hat die Pharmaindustrie seit 1998 wirksame oral einzunehmende Medikamente entwickelt, die sogenannten PDE-5-Hemmer. Diese sorgen dafür, dass die Bildung eines Enzyms blockiert wird, wodurch mehr Botenstoffe freigesetzt werden, die für eine Erektion wichtig sind. Zur Gruppe der PDE-5-Hemmer zählen Sildenafil, Tadalfil, Vardenafil und neuerdings auch Avanafil. Diese Wirkstoffe sind besser bekannt unter dem Namen der Medikamente, in denen sie auf dem Markt erhältlich sind und die da lauten Viagra, der Klassiker, der von dem Pharmaunternehmen Pfizer entwickelt wurde, Cialis aus dem Hause Lilly und Levitra von Bayer HealthCare. Das jüngste Medikament auf der Basis der PDE-5-Hemmer heißt Spedra und ist erst seit April 2014 zugelassen. Bislang existieren daher noch nicht viele Studien zu Spedra. Dennoch ist davon auszugehen, dass das Medikament in seiner Wirkung den verwandten Präparaten ähnelt. Und diese haben seit 1998 mehreren Millionen von einer erektilen Dysfunktion betroffenen Männern zuverlässig zu einem erfüllteren Sexualleben und damit zu mehr Lebensqualität verholfen.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *